Angst vor der Unsterblichkeit?

Cornelia Zenz, die »Sarah« in Polanskis Musical »Tanz der Vampire«, ist eine der jüngsten Mitwirkenden und kam, wie sie selber formuliert, praktisch »aus dem Nichts«. Nach  ihrer Ausbildung am Konservatorium der Stadt Wien (Examen 1996) spielte sie u.a. im »Kleinen Horrorladen« in Regensburg und in »Jesus Christ Superstar« und »Anatevka« in Wien.
Das Arbeiten mit Polanski war für sie eine tolle Erfahrung; in ihrer Stimme hört man deutlich ihre Begeisterung für diesen »genialen Künstler«. Am Anfang sei die Arbeit mit ihm nicht einfach gewesen; man müsse sich erst an seine großen und plötzlichen Stimmungsschwankungen gewöhnen. Polanski sei ein außerordentlich disziplinierter Arbeiter und verlange von seinen Mitarbeitern auch viel Disziplin. Er könne sehr streng sein, das Arbeiten mit ihm führe aber auch zu tollen Ergebnissen. »Das Oberste für ihn ist immer das Stück.« Die Arbeit sei eine Herausforderung gewesen und habe enormes Durchhaltevermögen verlangt, aber  »Polanski ist so charismatisch, so interessant, dass ich traurig bin, dass es vorbei ist.«
Die Vertiefung der Rolle von Sarah gegenüber dem Film seht Cornelia Zenz sehr positiv: Sarah hat im Musical viel mehr zu sagen, besser zu singen. Alle Charaktere seien viel stärker ausgearbeitet, dabei kämen die komischen, slapstickartigen Momente keineswegs zu kurz; wie Polanski das gelöst habe, sei »einfach genial«. Die psychologische Komponente werde auch erheblich deutlicher. Sarah wisse genau, was sie wolle. Sie träume nicht nur naiv vor sich hin – auch wenn Sarah so, wie sie sie verstehe und spiele, durchaus auch noch etwas Naives habe. Sie habe es aber zugleich faustdick hinter den Ohren – ich muss an die Szene mit den roten Stiefeln denken und stimme ihr zu.
Sarah wisse, dass sie sich so oder so für einen unumkehrbaren Schritt entscheide – entweder für den von der Jungfrau zur Frau oder, mit Graf Krolok, für den in den Vampirismus, in die Unsterblichkeit. Und sie sei sich dieser Endgültigkeit, dieser Unumkehrbarkeit durchaus bewußt. Leider habe ich das Musical erst nach diesem Gespräch gesehen – ich hätte sonst gefragt, was sie eigentlich so reize an diesem Grafen, was sie dazu veranlasse, die Unsterblichkeit dem Frausein vorzuziehen. Denn im Theater wurde mir das nicht so recht klar...
Auf meine Frage, ob die Vampire sie über die Rolle hinaus interessierten, zögert Cornelia keinen Moment: Sie habe sich vorher nicht allzusehr damit befasst, aber inzwischen fasziniere sie das Thema, besonders der starke erotische Aspekt des Vampirs und seine Macht, aber auch die Unumkehrbarkeit, die Endgültigkeit dieses Schrittes, der sonst nur noch mit dem Tod vergleichbar sei, aber eben eine Weiterexistenz bedeute. Und – vielleicht ist das auch eine mögliche Erklärung für Sarahs Entscheidung für Graf Krolok: die Freiheit, die Möglichkeit, vieles »ungestraft auskosten zu können, die Schrankenlosigkeit«.
Ob sie sich selber beißen lassen würde? Sie zögert einen Moment. Ja, sie würde wohl »Ja« sagen. Sie würde sich also für die Unsterblickeit entscheiden? Nein, die würde sie eher davon abhalten – da höre ich deutlich den Widerhall der Klage der Vampire... Ich weise Cornelia darauf hin, dass dieser Aspekt unter Fachleuten, in Büchern und Filmen sehr unterschiedlich diskutiert werde, dass eine »Ewigkeit«, die man obendrein jederzeit beenden könne, auch ihre Vorteile und Chancen habe. Sie zögert, meint dann, darüber müsse sie nochmal nachdenken. Leider haben wir nicht die Zeit, uns ausgiebig über dieses Thema zu unterhalten – uns stand leider keine Ewigkeit zur Verfügung...