Vampirspeichel rettet Leben

In Südamerika hat der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus) einen schlechten Ruf, da er die Rinderherden schädigt und Tollwut übertragen kann.

Schon lange ist bekannt, dass es im Speichel mindestens eine Substanz gibt, die die Blutgerinnung hemmen. Dies ist (wie bei Blutegeln) nötig, da die Fledermäuse keine Blut»sauger« sind, sondern das Blut, das herausfließt, ablecken.

In einem deutsch-mexikanischem Gemeinschaftsprojekt wurde nun der medizinische Einsatz des gerinnungshemmenden Protein ermöglicht, das unter dem Namen »Desmodus rotundus salivary plasminogen activator« (DSPA) 2006 auf den Martkt kommen soll.

Seit 20 Jahren arbeiten die Schering AG aus Berlin und die Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) in Mexiko-Stadt an der Erforschung des Enzyms, für die mexikanische Universität vor allem der Biologe Alejandro Alagón Cano, auf deutscher Seite Wolf-Dieter Schleuning, der die besondere Wirkung des Speichels entdeckt hatte. Von 1983 bis 1990 lieferte Alagón aus Mexiko Vampirspeichel von rund 1200 Vampirfledermäusen, die er vor ihren Höhlen um Tepotztlàn südlich von Mexiko-Stadt in Fangnetze fing. Anfang der 90er Jahre gelang es Schleuning, das Speichelenzym auf gentechnischem Weg herzustellen.

Die 2000 gegründete Paion GmbH in Aachen, inzwischen als AG an der Börse notiert (www.paion.de), plant die Markteinführung für das zweite Halbjahr 2006 unter dem Namen DESMOTEPLASE; derzeit wird DSPA in der klinischen Phase III getestet, darunter in etwa 25 Kliniken in Deutschland an akuten Schlaganfallpatienten. Desmoteplase hat nach Angaben der Paion GmbH keinerlei giftige Wirkung auf den Menschen und ist angeblich circa 200 mal effektiver als vergleichbare Medikamente.

DSPA soll sehr viel zielgenauer auf Blutgerinnsel reagieren als der bisher einzige zugelassene Gerinnsel-Löser TPA. Seine Fibrinspezifität ist außergewöhnlich hoch, das bedeutet, dass das Enzym erst richtig aktiv wird bei Kontakt mit dem Blutfaserstoff Fibrin, der bei der Blutgerinnung entsteht. Außerdem kann DSPA noch bis zu neun Stunden nach einem Gehirnschlag seine nützliche Wirkung entfalten, während heute viele Menschen sterben, weil sie nicht innerhalb der drei Stunden in eine Spezialklinik kommen, in denen TPA wirkt.

Hintergrund-Artikel:
Geschichte von Paion und Desmoteplase
Bericht über aktuellen Stand Juli 2005
Grundlagenartikel im Stroke-Magazin 2003