Le Fanu, Joseph Sheridan


Neben Dracula ist Carmilla, die erste lesbische Vampirin, die berühmteste Vampirgestalt in Literatur und Film. Sheridan Le Fanus Erzählung gilt noch heute als Markstein des Genres und wird immer wieder nachgedruckt.

Joseph Sheridan Le Fanu (1814 1873) war einer der bemerkenswertesten unheimlichen Erzähler der viktorianischen Zeit und wird oft mit Edgar Allan Poe verglichen, obwohl die von jenem bevorzugte unheimlich-düstere Stimmung bei ihm eher selten ist.

Als Sohn eines Pfarrers wuchs er in Dublin und auf dem Land auf, studierte Jura, wurde 1839 als Rechtsanwalt zugelassen und begann bald, als Journalist zu arbeiten. Von 1861 bis 1869 war er Herausgeber des Dublin University Magazine, in dem er zahlreiche Erzählungen veröffentlichte. Ein erster Sammelband mit unheimlichen Geschichten erschien anonym 1851; nach dem Tod seiner Frau 1858 wandte er sich immer mehr den dunklen Seiten der menschlichen Existenz zu.

Bekannt wurde »The Invisible Prince«, Vorläufer und Wegbereiter der modernen Kriminalliteratur wie der Science Fiction, durch eigene Balladen, besonders aber durch seine 14 Romane, die bis auf die zwei ersten das Übernatürliche und Unheimliche zum Thema haben. Seine wichtigsten Werke sind der Roman »Uncle Silas« (1864) und die Sammlung »In a Glass Darkly« (1872). Diese fünf Geschichten werden immer wieder nachgedruckt, am häufigsten »Carmilla«.

Die Geschichte um die lesbische Vampirin wurde mindestens viermal verfilmt: »Vampyr – Der Traum des Allan Grey« (1931), »...und vor Lust zu sterben« (1960), »Gruft der Vampire« (1970) und »Carmilla« (1989). Viele Filme greifen auf Motive der Geschichte zurück, und von 1994 bis 2000 warenFriedhelm Schneidewind und Ulrike Schneidewind mit ihrem gleichnamigen Theaterstück erfolgreich.

In den letzten Jahren erschienen zwei Hörspielfassungen der Geschichte. Während »Carmilla« (2003 bei »Hörspiele Welt«) nicht gelungen ist, kann ich das Hörspiel von Titania-Medien »Carmilla, der Vampir« (2004) absolut empfehlen.