Kirche und Vampire

Die Lehre der orthodoxen Kirche war sicher mit ein Grund dafür, dass der Vampirglauben in Ländern mit orthodoxen Glauben besonders stark verbreitet war. Exkommunizierte, zum Islam Konvertierte, nichtehelich Geborene – jedem, der gegen ihre Gebote verstieß, drohte der Vampirstand. Denn nach der Lehre der orthodoxen Kirche kommen Exkommunizierte nicht in den Himmel, sondern liegen unverwest im Grab, bis der Bann von ihnen genommen wird.

Mitte des 18. Jahrhunderts schreibt Johann Friederich:
»So erfordern es auch die Vorteile des Staats und der Nutzen der griechischen Priester oder sogenannten Popen, das Volk in diesem Aberglauben zu halten. Denn diese Art des Banns muss bey ihnen oft gebraucht werden, weil er in Streitsachen ... und dergleichen Fällen statt eines Eides dienet, indem sie mit ihren Prozessen nicht vor das türkische Gericht kommen dürfen.«

Auf »unnatürliche« Verwesung (Medizinisch-biologische Ursachen) reagieren die Kirchen also höchst unterschiedlich: Wer nicht ordnungsgemäß verwest, ist laut der orthodoxen Lehre verdammt, in der katholischen Kirche hingegen Kandidat für die Heilig- oder zumindest Seligsprechung.

In der katholischen und protestantischen Kirche gab es immer wieder Versuche, den Vampirglauben zu bekämpfen. Der Benediktinermönch Dom Calmet versuchte um 1750 in einem umfangreichen Werk, den Vampirismus zu erklären als Einbildung aufgrund schlechter Ernährung und zuviel Opiumgenusses bei den Balkanvölkern. Tote erwecken könne nur Gott. Unterstützt wurde er von Benedikt XIV., dem einzigen Papst, der sich je zu Vampiren äußerte. Dieser, ein Bewunderer Voltaires, versuchte, die Priester davon abzubringen, den Aberglauben der einfachen Menschen zu fördern und dann für Exorzismus und Messen Geld zu kassieren. Doch er konnte sich nicht durchsetzen.

Schon zu Luthers Zeit heißt es in einem Tractat, die Hexenverfolgungen dienten nur dazu, »dass man die Leute damit schrecke und die Pfaffen gelt bekommen«. Es wäre interessant zu wissen, ob der derzeitige Papst an Vampire glaubt. Den Teufel als Person propagiert er ja schon lange ...

Übrigens glauben noch heute in Rumänien und angrenzenden (katholisch wie orhodox gepägten) Ländern große Teile der Bevölkerung an Vampire und »behandeln« manchmal Leichen entsprechend, wie Peter Mario Kreuter immer wieder in Vorträgen, in Funk und Fernsehen dokumentiert (so in der TV-Dokumentation »Der Vampirjäger«, gesendet u. a. 2003 auf WDR3 und 2009 auf Phönix. Eine gute Zusammenfassung liefert Kreuter in einem WDR2-Interview vom 17.01.2009. Ich selbst traf auf mehrwöchigen Reisen durch Rumänien 1993 und 1997 Menschen, die Leichen ausgegraben hatten, weil sie überprüfen wollten, ob es Vampire seien, und auch an »Vampirhinrichtungen« beteiligt waren.