»Dracula-Park« umstritten, aber beschlossen
Thema in »Aspekte«

Die Investoren des im März 2001 angekündigten Freizeitparkes zu Ehren von Dracula, die seit dem 12. Dezember 2001 Aktien dafür verkauft haben, haben bis Anfang April 2002 nach eigenen Angaben genügend Geld eingenommen, um mit dem Bau des umstrittenenen Dracula-Parkes nahe Sighisoara (Schäßburg), der Geburtsstadt von Vlad Țepeș, beginnen zu können. Der 60 Hektar große Vergnügungspark, der nach unterschiedlichen Angaben zwischen 35 und 70 Millionen Euro kosten soll und an dessen Finanzierung u. a. Coca Cola und die Universal Filmstudios beteiligt sind, ist allerdings umstritten: Denkmalschützer warnen vor möglichen Beschädigungen des mittelalterlichen Stadtkerns, Naturschützer vor der Vernichtung uralter Bäume, und Theologen befürchten einen Ansturm von Satanisten.

Ausführlich berichtete darüber am 26. April  die Kultursendung »Aspekte« im ZDF. Zu Wort kam u. a. eine Bürgerinitiative, die sich gegen den Park gebildet hat und deren Mitglieder, Rumänen und Siebenbürger Sachsen (Siebenbürgen),  der Aufassung sind, es gebe sinnvollere Möglichkeiten, den Tourismus zu fördern als die Vampir-Legende auszuschlachten. Schließlich ist Sighisoara als »Perle Siebenbürgens« eine sehr reivolle Stadt mit dem kompaktesten spätmittelalterlichen Stadtkern Europas und einer beeindruckenden Burganlage; der mittelalterliche Stadtkern wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft. Nicht zuletzt kämpfen deshalb Denkmalschützer gegen den Dracula-Park. Beim Ausbau der für den erhofften Touristenstrom notwendigen Infrastruktur würde sciher vieles zerstört werden; der rumänische Tourismusminister Matei Dan Agathon rechnet mit bis zu einer Million Gäste im Jahr. Zerstört würden auch erhaltenswerte Natur, befürchtet Greenpeace, das sich ebenfalls auf Seiten der Gegner in die Kampagne eingeschaltet hat. Der Bau des Dracula-Parks soll ausgerechnet in einem Naturschutzgebiet mit fast 1000  Jahre alten Eichen stattfinden!

Alle Proteste haben aber nichts genützt: Das rumänische Parlament verabschiedete im April 2002 die Pläne für den vampiresken Freizeitpark.

Der »Vampir-Ruf« von Sighisoara beruht im Wesentlichen auf der Tatsache, dass hier der »Pfähler« Vlad Țepeș geboren wurde. Obwohl der erwachsene Woiwode Vlad III. Țepeș Drăculea nie in Schäßburg lebte und sein Vater Vlad II. Dracul hier nur Exilant war, soll der Dracula-Park dem Ruf des Pfählers gerecht werden: Geplant ist neben einem Luna-Park, Restaurants und Souvenirshops eine Horrorburg mit Folterkammer. Gab es noch im Oktober 1999 heiße Auseinandersetzungen um die Darstellung von Țepeș in rumänischen Schulbüchern, so scheint nun zumindest in der offiziellen Darstellung die Rolle des Woiwoden als Dracula-Vorbild unumstritten, da gewinnbringend.

Und ob die Rumäninnen und Rumänen selbst daran glauben, ist wohl auch ziemlich egal: Bei einem geplanten Eintrittspreis von 25 Euro sind wohl sowieso nur ausländische Gäste zu erwarten!