Auszug aus DRACULA – übersetzt von Friedhelm Schneidewind

Auszug aus Jonathan Harkers Tagebuch:

Die blonde Frau hatte sich auf die Knie niedergelassen. Ihre wollüstige Sinnlichkeit war anziehend und abschreckend zugleich, und als sie den Kopf vorbeugte, leckte sie sich wahrhaftig die Lippen – wie ein Tier, und ich konnte im Licht des vollen Mondes die Feuchtigkeit auf ihren prallen, roten Lippen schimmern sehen, und auch ihre feuchte, rote Zunge, als diese genußvoll über die Lippen und die weißen, spitzen Zähne glitt. Tiefer und tiefer senkte sich ihr Haupt, ihre Lippen strichen langsam an meinem Mund vorbei, dann über mein Kinn. Ich spürte ihren heißen Atem. Die Haut an meiner Kehle begann zu prickeln, wie es geschieht, wenn die Hand, die streicheln will, näher und näher kommt. Ich fühlte die sanfte, schaudererweckende Berührung der Lippen auf der überempfindlichen Haut meines Halses – und dann den harten Druck zweier scharfer Zähne, die sanft auf meiner Kehle ruhten und dort verharrten. Ich schloß die Augen voll ekstatischer Agonie und wartete – wartete mit klopfendem Herzen...