Blut


»Blut ist ein ganz besondrer Saft«, betont Mephisto im Faust. In vielen Mythologien gilt Blut als Sitz der Seele und/oder des Lebens. Jahwe verbot seinem Volk das Blutessen und –trinken: »Denn des Leibes Leben ist im Blut« (3.Mose 17,11). Odysseus lockt mit Blut die Schatten, die Toten, aus dem Hades.

Cyrano de Bergerac (1642) beschreibt in seiner »Reise zu den Mondstaaten und Sonnenreichen« eine besonders ehrenvolle Form der Bestattung: Will man einen Philosophen besonders ehren, gewährt man ihm die Gnade des Freitode, bei dem ihm sein bester Freund küßt und umarmt, während er sich selbst den Dolch ins Herz sticht:

»Der Freund löst seine Lippen nicht von den seinen, bis er erkennt, dass er gestorben ist. Dann zieht er ihm das Messer aus der Brust, schließt die Wunde mit seinem Munde und trinkt von dem Blute, soviel er kann. Sofort folgt der nächste, den ersten legt man schlafen. Ist der zweite gesättigt, legt er sich nieder und macht dem dritten Platz, und so fort, bis alle getrunken haben. Nach einigen Stunden führt man ihnen junge Mädchen zu, und drei bis vier Tage, während sie die Wonnen der Liebe genießen, ernähren sie sich nur vom Fleisch des Toten ernährt, und das ganz roh. So sind sie sicher, dass es, wenn aus diesen Liebesstunden neues Leben entsprießt, ihr Freund ist, der wieder lebt.«

Die Verbindung zu Lebenskraft/ Potenz wird hier ebenso deutlich wie zur Übertragung von Geist/Seele über den Tod hinaus. Nicht das Blut als »Lebensmittel«, der »Nährwert«, ist in Mythos und Literatur das Entscheidende. Der Blutsauger entzieht dem Opfer Lebenskraft.

Man kann ungefähr berechnen, wieviel Blut ein Blutsauger täglich so braucht. Falls die Vampire nicht auf spezielle Bestandteile des menschlichen Blutes angewiesen sind (wie etwa die roten Blutkörperchen), können sie wohl relativ problemlos auch das Blut anderer Säugetiere zu sich nehmen, da Säugetierblut auch in der Zusammensetzung zumindest der Nahrungsbestandteile relativ ähnlich ist (22 % Protein, 1 % Kohlehydrate, 0,6 % Fett, 75 % Wasser). Solange das Blut durch den Magen läuft, wie z. B. bei den Vampirfledermäusen, spielen die übrigen Bestandteile keine Rolle, auch nicht die Blutgruppe. Wen oder was sich der Vampir zum Opfer erwählt, ist dann Geschmackssache ...

Eine klassische Szene in den meisten Vampirfilmen oder –stücken:
Das Opfer sticht oder schneidet sich, der Vampir wird ganz heiß auf das Blut. Man findet eine solche Szene in Murnaus oder Herzogs Nosferatu genauso wie in den Dracula-Verfilmungen mit Bela Lugosi, Christopher Lee, Frank Langella oder Coppola.
Hier ist es Carmilla (Ulrike Schneidewind) aus dem gleichnamigen Theaterstück von Friedhelm Schneidewind und Ulrike Schneidewind nach der Geschichte von Sheridan LeFanu, die sich nur unter Schwierigkeiten zurückhalten kann, als sie das Blut ihres Opfers Laura von Hartmann (Katharina Haffner) fließen sieht. (Foto: Friedhelm Schneidewind)

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Das Lexikon rund ums Blut

Der rote Lebenssaft
in Mystik und Mythologie, Magie und Medizin, 

Religion und Volksglaube, Legende und Literatur

von Friedhelm Schneidewind
352 Seiten, ISBN 3-89602-224-5
LEXIKON IMPRINT VERLAG Berlin
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Titelbild: Ulrike Schneidewind

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Empfehlenswert auch:

Starr, Douglas: Blut. Stoff für Leben und Kommerz – München 1999

Sokoll, D. A. R.: Der Mythos des Blutes. Ansätze zur morphologischen Betrachtung eines zeitlosen Symbols. Dresden: Verl. Zeitenwende 2000

Bradburne, James M.; Reiter, Cornelia: BLUT. Kunst, Macht, Politik, Pathologie. Buch zur Ausstellung im Museum für angewandte Kunst und in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt/Main – München/London/New York 2001

Braun, Christina von (Hrsg.): Mythen des Blutes. Frankfurt a.M./New York: Campus 2007